banner

Ich war froh, dass jemand da war

Der diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger Franz trat am 24. Dezember um 7 Uhr seinen Dienst in der Unfallambulanz an. Fünf Minuten später hörte er Schreie von der Rettungshalle. Zwei Sanitäter kamen mit einer etwa 80jährigen Patientin im Rollstuhl. Einer der Sanitäter rief, dass es der Frau sehr schlecht geht. Pfleger Franz ging mit einer Kollegin zu der Patientin, die bewusstlos im Rollstuhl saß und brachten sie unverzüglich in den Schockraum. Eine Angehörige der Patientin blieb im Wartebereich der Unfallambulanz. Das Team der Unfallambulanz löste den Reanimationsalarm aus. Eine Ärztin und die diensthabende Anästhesiemannschaft konnten die Frau trotz sämtlicher Wiederbelebungsmaßnahmen nicht mehr retten.

Pfleger Franz informierte die Ärztin, dass eine Angehörige im Krankenhaus ist, die eventuell die Unterstützung des Krisenbegleitdienstes benötigt. Als die Ärztin die Todesnachricht überbrachte, bot sie der Schwiegertochter der Verstorbenen die Unterstützung eines Mitarbeiters vom Krisenbegleitdienst an, was die Angehörige gerne annahm.

Krisenbegleiterin Renate, sie arbeitet hauptberuflich auf der Intensivstation, wurde über den Portier alarmiert und kam kurze Zeit später in die Unfallambulanz. In einem freien Behandlungsraum konnte Renate sich mit der Schwiegertochter der verstorbenen Patientin zurückziehen. Die Krisenbegleiterin fragte, ob sie jemanden verständigen sollte und ob zuhause Kinder oder pflegebedürftige Menschen zu versorgen sind. Weiteren Angehörigen wurde telefonisch die Todesnachricht überbracht. Die Verstorbene hatte vor diesem Morgen keine gesundheitlichen Probleme, so dass der Tod für die Angehörigen völlig unerwartet kam. Die Hauptaufgabe der Krisenbegleiter in dieser Situation ist Da-Sein. Es geht nicht darum zu fragen, sondern zuzuhören. „Sobald die Angehörigen nach Formalitäten und nach der weiteren Vorgangsweise fragen weiß ich, dass sie den Tod angenommen haben“ erklärt Krisenbegleiterin Renate.

In der Zwischenzeit hatte das Pflegepersonal der Unfallambulanz der Patientin frische Kleidung angezogen und sie in ein freies Zimmer auf einer Station gebracht. Gemeinsam mit den Angehörigen der Verstorbenen ging die Krisenbegleiterin in das Zimmer. Dort hatten die Angehörigen zwei Stunden Zeit, sich zu verabschieden. Renate bot Weihwasser an, mit dem sie selbst ein Kreuz auf der Verstorbenen machte und so die Angehörigen animierte, die Tote zu berühren, um dadurch das Geschehen wörtlich zu „begreifen“. Sie bot an, gemeinsam Gebete zu sprechen und ließ die Angehörigen auch alleine mit der Toten.

Einige Tage nach dem Einsatz der Krisenbegleiterin erkundigte sich Pfleger Franz bei Renate, wie der Verlauf des Kriseneinsatzes war. Diese bestätigte, dass die Angehörigen sich in Ruhe verabschieden konnten und traurig, aber nicht mehr verzweifelt, das Krankenhaus verließen „In solchen Situationen ist es für alle Beteiligten wertvoll, auf den Krisenbegleitdienst zurückgreifen zu können“, resümiert Pfleger Franz.

In guten Händen. Im Ordensspital.