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Opferschutzgruppe im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt

2016 07 27 Opferschutz bbe 120EU-Projekt „Implement“ ermöglicht schnelles und sensibles Vorgehen beim Erkennen von gewaltbedingte Verletzungen.

Um das Angebot für Gewaltopfer möglichst flächendeckend gewährleisten zu können und, um dem medizinischen und pflegerischen Fachpersonal den erforderlichen institutionellen Rückhalt zu bieten, sind Träger von Schwerpunktkrankenhäusern gesetzlich verpflichtet (seit 2011), Opferschutzgruppen für Betroffene häuslicher Gewalt einzurichten. Das ist im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Kooperation mit dem Frauenhaus Burgenland bereits erfolgt. Im Zuge der „Implement-Schulungen“ ist es gelungen, genügend MitarbeiterInnen für den professionellen Opferschutz zu sensibilisieren, sodass die Gründung und Implementierung einer Opferschutzgruppe für Erwachsene möglich wurde. Eine Kinderschutzgruppe gibt es schon seit längerem im Haus.

Betreuung von Gewaltopfern im Krankenhausalltag

Wir unterstützen Opfer von Gewalt, sich jeglicher Form von Gewalt entgegenzustellen und sind bereit, „Gewalt“ aus der Tabuzone zu holen. Geachtet wird hierbei auf verschiedene Formen von Gewalt: körperliche, sexuelle und psychische. Daher ist auch die Zusammensetzung der Opferschutzgruppe multiprofessionell und interdisziplinär.
Durch das „Implement-Projekt“ können ÄrztInnen und Pflegekräfte gewaltbedingte Verletzungen noch besser erkennen als bisher, sensibel ansprechen und therapieren. Sie sind instruiert, die Opfer auf Wunsch entsprechenden Beratungseinrichtungen zuzuweisen und dazu aufgefordert, erkennbare Beschwerden gerichtsverwertbar zu dokumentieren. Der Schwerpunkt mag auf von Gewalt betroffenen Frauen liegen, jedoch gibt es auch Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt werden, wobei die Dunkelziffer wohl um einiges höher ist.  Insgesamt 57 MitarbeiterInnen wurden im Rahmen des „Implement-Projektes“ trainiert, die Schulungen wurden in dem Zeitraum von Oktober 2015 bis Februar 2016 abgehalten.
Direkt in Kontakt mit etwaigen Gewaltopfern ist immer jenes Personal, das gerade im Dienst ist, und in unserem Krankenhaus ist das insbesondere jenes Personal, das in den Ambulanzen tätig ist (Unfall, Gynäkologie, HNO). Dort erfolgt der Erstkontakt mit betroffenen PatientInnen und dort können potenzielle Gewaltopfer identifiziert werden. Die häufigsten Verletzungsmuster, die zu sehen sind: blaue Flecken, also Hämatome, Würgemale oder Nasenbeinbrüche. Wenn man fragt, wie es zu den Verletzungen gekommen ist, wird in der Unfallanamnese häufig ein Sturz bspw. über eine  Treppe angegeben.

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Die Workshops wurden durchgeführt von (v.l.n.r.): Dr. Margit Plainer (BB Eisenstadt), Mag. Maria Rösslhumer (Autonome Österreichische Frauenhäuser), Mag. Sonja Platzer (BB Eisenstadt), Mag. Isabel Bernhardt (Frauenhaus Burgenland). (c) Barmherzige Brüder Eisenstadt

Vernetzung, Fortbildung & Dokumentation

Die Vernetzung mit entsprechenden Kooperationspartnern, wie regionalen Frauenhilfseinrichtungen und Gewaltschutzorganisationen, aber auch mit der Polizei und dem Jugendamt ist eine wichtige Aufgabe der Opferschutzgruppe. Betroffene werden nämlich an spezielle Hilfs- und Beratungseinrichtungen weiter vermittelt.
Die Mitglieder der Opferschutzgruppe halten sich durch Fortbildungen auf dem neusten Stand der Wissenschaft, um professionell handeln und intervenieren zu können. Außerdem kümmert sich die Opferschutzgruppe darum, dass es regelmäßige Schulungen für MitarbeiterInnen gibt - insbesondere auch von neuen KollegInnen, die professionellen und nachhaltigen Opferschutz im Spital auch künftig gewährleisten sollen. Besonders wichtig ist die Struktur, wenn mit Behörden und Institutionen zusammengearbeitet wird. Eine gerichtsverwertbare Dokumentation und Sicherung von Beweisen ist unerlässlich.

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Plakat zur Kampagne im Krankenhaus der BB Eisenstadt. (c) Barmherzige Brüder Eisenstadt

Mitglieder

Die Opferschutzgruppe ist seit ihrem ersten Treffen am 14. Jänner 2016 als feste Institution im Krankenhaus verankert und trägt durch regelmäßige Vernetzungstreffen der eingebundenen Fachrichtungen zum ganzheitlichen und nachhaltigen Opferschutz bei.  Unsere Opferschutzgruppe ist eine Fusion der Kinderschutzgruppe mit neuen Teammitgliedern, die den Schwerpunkt auf Opferschutz von Erwachsenen haben. Unsere Opferschutzgruppe besteht aus 17 Mitgliedern (Krankenhauspersonal), die aus sämtlichen medizinischen Fachrichtungen kommen. Darunter sind FachärztInnen und Pflegepersonal aus Gynäkologie, Unfallchirurgie, HNO, Psychiatrie und Psychologie, Kinder- und Jugendheilkunde, Palliativmedizin sowie TherapeutInnen und SozialarbeiterInnen. Geleitet wird sie von Dr. Michaela Wagner. Ein zusätzliches externes Mitglied (18. Mitglied) ist die Gewaltschutzexpertin des Frauenhauses Mag. Isabel Bernhardt, wodurch ein reibungsloser Austausch zwischen Krankenhaus und Frauenhaus gewährleistet ist. 

KH-Leitung ist sich Verantwortung bewusst

„Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte sind häufig die ersten Ansprechpersonen für Opfer von Gewalt. Ihnen kommt daher eine Schlüsselrolle nicht nur bei der effizienten medizinischen Behandlung der Betroffenen, sondern auch hinsichtlich der Aufklärung von Gewalttaten zu. Es ist uns ein großes Anliegen, Gewalt aufzudecken und die Opfer zu unterstützen und zu schützen“, erklärt Direktor Robert Maurer, MSc MBA und ergänzt: „Wir haben das Projekt und die Schulung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang an tatkräftig unterstützt und freuen uns, dass sich viele aktiv für den professionellen Opferschutz engagieren“

Hintergrundinformation zum „Implement Projekt“

Das Projekt „Implement“ (2014-2016) ist ein von der EU kofinanziertes Projekt mit dem Ziel, in sechs europäischen Ländern – Österreich, Deutschland, England, Frankreich, Italien und Rumänien – Kapazitäten aufzubauen, um die Unterstützung für Opfer geschlechtsbasierter Gewalt durch MitarbeiterInnen des Gesundheitssystems nachhaltig zu verbessern. Das Projekt trägt damit v.a. jenem Umstand Rechnung, dass Institutionen und Einrichtungen des Gesundheitssystems oftmals erste Anlaufstelle für Opfer geschlechtsbasierter Gewalt sind. Medizinische Fachkräfte spielen daher eine entscheidende Rolle dabei, sicherzustellen, dass die Gesundheitssysteme unmittelbar auf geschlechtsbasierte Gewalt reagieren und die Gesundheit und Rechte der Frauen schützen. Dazu ist jedoch die enge Zusammenarbeit von Gesundheitssystemen und regionalen Frauenhilfsorganisationen unerlässlich.

BARMHERZIGE BRÜDER KRANKENHAUS EISENSTADT
Mag. Andrea Michlits-Makkos | Kommunikation

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In guten Händen. Im Ordensspital.